zum Menü Startseite
Freiburger Münster

Freiburger Münster: Geschichte und Architektur

Geschichte

Der Zähringer Herzog Bertold II. war der Gründer der heutigen Schwarzwaldmetropole Freiburg im Breisgau und förderte die Entwicklung Freiburgs zur Markt- und Handelsstadt. Der florierende Handel, Spenden und der gewinnbringende Silberbergbau aus dem Schwarzwald ermöglichten den Bau einer großen Kirche. Sie sollte zunächst als Prestige-Symbol zur Darstellung des Reichtums und der Größe der Stadt Freiburg dienen.

Später entschloss man sich ein Gotteshaus zu bauen, das den Himmel auf Erden widerspiegeln sollte. Der Bau des Freiburger Münsters erfolgte um 1200 unter Bertold V. von Zähringen, der später auch ein Grabmal im Münster bekam.

Im Laufe der Zeit entstand eine Art Wettbewerb mit den anderen Kathedralen im näherem Umkreis. In der ersten Phase galt das Basler Münster bei den romanischen Bauelementen als Vorbild, später das Straßburger Münster, das sich durch seine gotischen Elemente auszeichnet.

Die Bauzeit des Münsters von über 300 Jahren setzte ein enormes Vertrauen und Weitsicht der Bauherren und der Spender voraus. Sie riskierten es das Münster nie fertig zu sehen.
Besonders viel Vertrauen setzten die Bürger und Bauherren in das verwendete Material, darunter Sandstein des Schlierbergs und Lorettobergs. Zu jener Zeit basierte die Planung auf empirische Erkenntnisse. Als Fundament nutzte man Flußkies und Sand des Rheintals.

Durch diese lange Bauzeit, umfasst das Gebäude auch drei unterschiedliche Baukonzeptionen. Darunter spätromanische, hochgotische und spätgotische Elemente.

Baukonzeption

Während die älteren spätromanischen Elemente noch geschlossene, massebetonte Wandflächen aufweisen, sowie runde Formen, wurde die Konstruktion mit der Zeit immer filigraner.
Eine neue Baukonzeption kam mit der veränderten religiösen Einstellung um 1335 einher. Der Drang nach einem Symbol des himmlischen Jerusalem, also dem Himmel auf Erden zu holen, wurde immer größer. Leichte schwerelose Wirkung der Wände, in die Höhe auftürmende Konstruktion, um in die Nähe Gottes zu kommen und lichtdurchflutete Räume wurden verwirklicht.

Last- und Schubkräfte werden über das Kreuzrippengewölbe auf Bündelpfeiler im Inneren und Strebebögen und -pfeiler nach außen übertragen. Diese Spitzbögen und Strebewerken ermöglichen die Wand von ihrer tragenden Funktion zu entbinden und zunehmend durch Glasfenster zu ersetzen, um mehr Licht ins Rauminnere zu lassen. Die Gewölberippen bekommen ebenfalls zunehmend dekorativen Charakter. Im Chor hat das Netzgewölbe vollständig ihre tragende Funktion verloren.

Die Baumeister, die namentlich nicht bekannt sind, haben es geschafft, die Konstruktion eng mit der Funktion zusammenzubringen und ihr Ziel den Himmel auf Erden zu holen, erreicht.
Trotz fehlender technischer Mittel und Berechnungen ist ihnen ein fantastischen Bau gelungen, der heute nicht hätte besser gebaut werden können. Wagemut, Geometrie und viel Vertrauen in das Material ermöglichten den Bau.
Heute ist das Münster eine wunderschöne dreischiffige Basilika, deren Langhaus in sechs Joche unterteilt ist, mit herausragendem Westturm und einem filigranen spätromanischen Chor.

Münsterturm

Besondere Aufmerksamkeit sollte dem Münsterturm gewidmet werden. Man entwickelte damals eine völlig neue Konstruktionsweise, die oft versucht wurde nachzubauen. Doch nirgends ist es so gelungen wie beim Münster unserer lieben Frau. Das besondere Merkmal ist der unmerkliche Übergang vom Viereck zum Achteck. Nach Wangert ist der Westturm sogar im "goldenen Schnitt" konstruiert. Hierbei verhält sich der Turmhelm zum Rest des Turmes, wie der der untere Bereich bis zum Turmhelm zur Gesamtlänge des Turmes.

Der Turm ist in verschiedene Bereiche einzuteilen.
Die Eingangshalle befindet sich im blockhaften, fast quadratischen Unterbau, der durch Strebe- und Stützpfeiler standfest gehalten wird. Sie dienen zur vollständigen Neutralisation aller Druckkräfte. Tabernakel werden zur Erschwerung auf die Stützpfeiler, damit diese nicht auseinanderstreben, aufgesetzt. Für diese schwere Konstruktion war das Fundament von großer Bedeutung. Beim Münster nutzte man Kies und Sand vom nahegelegenen Rheinufer.
Über dem Tympanon, unterhalb der Michaleskapelle sind zwei Figuren zu sehen. Links befindet sich die Statue des Georg und rechts des heiligen Sebastian.

Zwei Wendeltreppen im Inneren führen hinauf zur Michaelskapelle (zur Ehrung des Erzengels Michael, der Böses abwenden und dem Guten zu seinem Recht verhelfen soll) und dienen zudem zur Aussteifung.
Im Uhrengeschoss, der Sternengalerie wird der bis dorthin bereits mehrfach abgestufte Turm durch Schrägen weiter verengt. Diese Schrägen werden durch Tabernakel kaschiert.

An dieser Stelle beginnt der fast unmerkliche Übergang vom Viereck zum Achteck, dessen Seiten noch mit Dreikantpfeiler ausgestattet sind. Die Sternengalerie schließt mit der Maßwerkbrüstung ab und der Turm verlässt den irdischen materiellen Teil und geht in den himmlischen über.

Nun sind Maßwerkfenster mit aufgesetzten Wimpergen eingesetzt. Acht Polygonpfeiler stützen nun die Konstruktion. Der Turmhelm besteht aus acht Gratrippen mit jeweils acht Segmenten. Er wirkt durch seine spitz zulaufenden Form wie ein steingewordenes Gebet gen Himmel. Sogar die Zahl acht könnte man als Symbol der Unendlichkeit interpretieren. Die Blumen- und Sternen-Ornamente in den Segmenten können als Naturformen mit dem Ausdruck göttlicher Schaffung interpretiert werden. Durch die enorme Höhe des Turmes von 116 Meter und durch die offenen Segmente wird eine besondere Nähe und Verbindung zum Göttlichen aufgebaut. Der Turm zeichnet sich nach oben hin immer mehr durch eine leichter werdenden Baustruktur aus. Man spricht auch von einer Entschwerung der Baumassen. Die Kreuzblume bildet die Spitze und schließt den Turm ab.

Chor

Als das Münster im Westen im wesentlichen fertiggestellt war, entschlossen sich die Bauherrn den Chor weiter auszubauen. Das Chorjoch hat tief herunterragende und reich gegliederte Fenster, die den Chor mit Licht durchfluten. Die Wandzone ist schmaler als im Langhaus und hat ebenso wie das Netzgewölbe nahezu keine statische Funktion.
Auffällig ist, dass die Dienste hier im Gegensatz zum Langhaus ohne Blattkapitelle in die Rippen des Tonnengewölbes übergehen und dort ein rautenförmiges Netzgewölbe bilden. Ein lichtdurchflutendes und einheitliches Raumerlebnis im Chor ist das Ergebnis.
Der tiefer gelegte Chorumgang schließt an den Kapellenkranz mit sechs im Halbkreis angeordneten Kapellen. Die Kapellen haben einen fünfeckigen Grundriss und können auch von außen leicht nachvollzogen werden.

Langhaus

Das relativ dunkle Langhaus der dreischiffige Basilika ist in sechs Joche unterteilt. Die einzelnen Joche werden von Bündelpfeiler mit bis in das Kreuzrippengewölbe durchlaufenden Diensten getrennt. Die insgesamt 12 Bündelpfeiler stehen für die 12 Apostel. Auf dem Sockel sind die Namen der Spender eingraviert.

Zwischen den Spitzbogenarkaden führen die jeweils fünf Dienste über die geschlossene und kahle Obergardenwand hinauf zu den relativ hoch liegenden und kleinen Maßwerkfenster, wo sie im Blattkapitel enden. Auf den Blattkapitelen stützende Gurtbögen und Rippen stützen die Dachkonstruktion. Die einzelnen Joche werden durch Gurtbögen getrennt und jedes Joch besitzt in der Mitte einen Sprengring mit markantem Schlussstein.

Das Mittelschiff ist von Seitenschiffen umgeben, die nur die halbe Höhe aufweisen. Die Fenster sind breite dreiteilige Spitzbogenfenster.

Querhaus

Das Querhaus ragt nicht über das Langhaus hinaus. Es gehört eindeutig zur spätromanischen Bauphase. Rundbogenarkaden, kleine Rundbogenfenster und das Rundbogenportal weisen eindeutig daraufhin. Die Wandfläche ist massebetont und geschlossen.

Im Querhaus befindet sich eine Achteckkuppel über Trompen und Tabour. Die Kuppel ist von außen nicht sichtbar, lediglich im Inneren in der Vierung kann man mit einem Blick nach oben die Kuppel erblicken. Im Aufriss erkennt man die Vierung an den massiven Bündelpfeiler.